Kirchenbücher der EKMD: 44.000 Bände systematisch erschlossen

Wer in Thüringen oder Sachsen-Anhalt Ahnenforschung betreibt, stößt früher oder später auf dieselben Fragen: In welchem Kirchenbuch steht mein Vorfahre? Gibt es die Kirche noch? Und zu welchem Kirchspiel gehörte das Dorf eigentlich 1850?

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKMD) umfasst 31 Kirchenkreise mit tausenden Kirchengemeinden – ein Gebiet, das sich über den gesamten Freistaat Thüringen und weite Teile Sachsen-Anhalts erstreckt. Die Kirchenbücher lagern in zwei Landeskirchlichen Archiven: Eisenach (Thüringen) und Magdeburg (Sachsen-Anhalt).

Beide Archive führen Verfilmungslisten, die penibel aufzeichnen, welche Kirchenbücher wo und aus welchem Zeitraum vorhanden sind. Diese Listen sind jeweils über 600 Seiten lang – zusammen 44.363 Kirchenbuch-Bände. Ich habe sie systematisch ausgewertet und mit historischen Quellen verknüpft.

Die Quellen im Überblick

  • KiBu-Liste LKA Eisenach – 655 Seiten, 19.501 Kirchenbuch-Einträge aus 17 Superintendenturen (Thüringen)
  • Verfilmungsliste LKA Magdeburg – 2.357 Seiten, 24.862 Einträge aus der Kirchenprovinz Sachsen
  • Güldenapfel (1931) – Kirchenbuchverzeichnis Thüringen mit 1.397 Orten und Kirchspielzuordnungen
  • Machholz (1925) – Kirchenbuchverzeichnis der Provinz Sachsen mit 1.680 Orten
  • EKMD-Website – Aktuelle Struktur aller 31 Kirchenkreise
  • GOV – Genealogisches Orts-Verzeichnis
  • Wikidata – Koordinaten, Verwaltungszugehörigkeit, Kirchennamen

Was dabei herausgekommen ist

ErgebnisZahlen
Kirchenbuch-Bände erfasst44.363 (19.501 TH + 24.862 SA)
Kirchenkreise mit Archion-Links29 von 31
Kirchspiele (Thüringen)385
Neue Orte in Datenbank2.950 (Dörfer, Kirchspiele, Kirchen)
Historische Wohnplätze/Wüstungen195
Orte mit historischer Karte verlinkt27.486

Für Genealogen: Was bringt das?

Für jeden Ort im EKMD-Gebiet lässt sich jetzt nachschlagen:

  • Welche Kirchenbücher existieren (Taufen, Trauungen, Begräbnisse, Konfirmationen)
  • Aus welchem Zeitraum sie stammen (manche ab 1566!)
  • Ob sie verfilmt oder digitalisiert sind
  • Zu welchem Kirchspiel der Ort historisch gehörte
  • Wo die digitalisierten Kirchenbücher auf Archion zu finden sind
  • Wie der Ort auf einem Messtischblatt von ~1930 aussah

Erste Ergebnisse sind bereits auf GenWiki veröffentlicht – mit Kirchenbuch-Tabelle, Archion-Links, GOV-Verknüpfung und historischer Karte.

Wie KI dabei hilft

Stellen Sie sich einen Komponisten vor, der eine Melodie im Kopf hat. Er schreibt die Noten – den Plan, den Workflow. Dann kommt der Dirigent, der das Orchester zum Klingen bringt. In der genealogischen Datenverarbeitung bin ich beides: Komponist und Dirigent. Die KI ist mein Orchester.

Ich gebe die Richtung vor – welche Quellen, welche Verknüpfungen, welche Plausibilitätsprüfungen. Die KI setzt es um: PDFs parsen, Daten matchen, Koordinaten zuordnen. Was ihr fehlt, ist die menschliche Intuition – das genealogische „Hier stimmt doch was nicht!“

Nächste Schritte

Das Projekt ist nicht abgeschlossen. Es fehlen noch: die Kirchenbücher des reformierten Kirchenkreises (LKA Kassel), eine systematische Standesamt-Zuordnung und hunderte GenWiki-Ortsseiten. Wer Interesse hat mitzuwirken – besonders Genealogen mit Ortskenntnis in Thüringen und Sachsen-Anhalt – kann sich gerne melden.

Dies ist der Auftakt einer Artikelserie über das EKMD-Projekt. Demnächst: Wie man eine 655-Seiten-PDF in eine durchsuchbare Datenbank verwandelt.