Zeitraffer – Time Lapse

Stundenlang in der Kälte stehen und warten, bis die Kamera mehrere hundert Fotos gemacht hat? Das ist nichts für Euch? Vielleicht ja doch, wenn man sich die Ergebnisse mal ansieht.

Irgendwann habe ich die Seite von Gunther Wegner entdeckt. Der ist so etwas wie der deutsche Papst der Zeitraffer-Videos. Auf seiner Seite findet Ihr sehr viele hilfreiche Informationen nicht nur zu TimeLapse, sondern auch zu anderen Themen rund um die Fotografie. Schaut Euch das ruhig mal an.
Meinen ersten kleinen Film habe ich nun fertiggestellt und hochgeladen. Vielleicht fragt Ihr Euch, wie der Film entstanden ist und was dafür nötig war.

Zunächst braucht man eine Kamera und ein Stativ. Die Kamera sollte den manuellen Modus (M) unterstützen, halbwegs moderne DSLRs sind dazu eigentlich immer in der Lage. Ein Tethering über USB-Kabel oder WLAN sollte ebenfalls möglich sein. Schön wäre noch ein Kabel- oder Funkauslöser für die Kamera, aber es geht prinzipiell auch ohne. Zweitakku, zusätzliche Speicherkarten sowie evtl. ND-Filter oder Streulichtblende sollten auch in der Kameratasche sein. Für das persönliche Wohlbefinden noch ein Getränk, warme Kleidung und ggf. eine Sitzgelegenheit.
Richtig optimal und komfortabel wird es, wenn man die Kamera mit dem Handy oder Tablet per WLAN oder USB verbinden kann. Hier kommt dann qDslrDashboard ins Spiel. Mit dieser Software lassen sich viele Kameras der Hersteller Canon, Nikon und Sony fernsteuern. Am Besten schaut Ihr mal auf der Seite nach, ob Eure Kamera unterstützt wird. Es gibt von der App Versionen für Windows, Android und iOS, so dass hier eigentlich alle gängigen Plattformen abgedeckt sind.
Konnte mit qDslrDashboard eine Verbindung zur Kamera aufgebaut werden (ich nutze meistens WLAN, aber das hakt manchmal), eröffnen sich viele Möglichkeiten zur Fernsteuerung der Kamera. Mit etwas technischem Verständnis und Englischkenntnissen ist dieses Schweizer Taschenmesser für jeden Fotografen eine hilfreiche Ergänzung.
Wichtig Zeitrafferaufnahmen, vor allem für Sonnenauf- und Untergänge ist das LRTimeLapse-Fenster. Hier kann man die notwendigen Einstellungen vornehmen, u.a. den Auto Holy Grail. Ich stelle dort auch das Aufnahmeintervall und die Anzahl der Aufnahmen (ich nehme hier 400-500) ein. Nach dem Start der Intervallaufnahme wird jedes 2. oder 3. Bild als JPG an das Handy übertragen und von qDslrDashbord analysiert. Wird das Bild zu dunkel, regelt die App automatisch Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert bis zum jeweilig eingestellten Minimal- oder Maximalwert. Damit ist gewährleistet, das die Fotos die richtige Belichtung bekommen. Dann heißt es abwarten und Tee trinken. Und sich über die Passanten freuen, die kurioserweise gern mit auf das Foto möchten oder einfach nur ein Schwätzchen halten wollen.
Je nach Einstellung sind die Fotos dann nach gut anderthalb Stunden im Kasten. Nun aber ab nach Hause und aufwärmen. Die Fotos werden von der Speicherkarte auf den PC kopiert. Dazu nutze ich aus mehreren Gründen Adobe Lightroom. Zum einen habe ich die Möglichkeit, meine Fotos zu katalogisieren. Da ich fast ausschließlich meine Bilder im RAW-Format speichere, kann ich Lightroom auch gleichzeitig zum Entwickeln und Exportieren nutzen. Photoshop ist eigentlich nur noch in Ausnahmefällen notwendig. Sind die Fotos in Lightroom katalogisiert, verschiebe ich sie nach erstem Durchsehen in einen eigenen Ordner. Dabei sollte die Anzahl der Fotos 400 nicht überschreiten.
Jetzt kommt eine wirklich geniale Software ins Spiel: LRTimelapse von Gunther Wegner. Hiermit kann ich anhand von KeyFrames den Verlauf von Helligkeit, Sättigung, Kontrast, Weißabgleich u.v.m. über die Dauer des Videos anpassen. Schaut Euch Gunthers Seite und die dort verlinkten Video-Tutorials einmal an, LRTimelapse ist gar nicht so schwer zu verstehen.
Letztlich kann man mit der etwas eingeschränkten (nur 400 Bilder), aber für den Privatgebrauch kostenlosen Version von LRTimelapse schon sehr tolle Zeitraffer-Videos zusammenbauen. Wer mehr benötigt (4K, 6K, 8K), muß halt in die Tasche greifen.
Zum Schluss möchte das Video auch noch mit Ton untermalt werden. Hier könnt Ihr ein Videoschnittprogramm Eurer Wahl nehmen. Das bietet Euch außerdem die Möglichkeit, mehrere Zeitraffer und Fotos zu kombinieren und zu einem längeren Filmprojekt zusammenzustellen.
Habt Ihr auch schon Zeitraffer-Videos gedreht? Ich freue mich auf Eure Kommentare!
Blogger, Genealoge und Hobby-Fotograf

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