Eichsfeld und Gotha – eine fotografisch-genealogische Rundreise

Gotha - Schloss Friedenstein

Am Wochenende durfte ich mal wieder nach Gotha fahren. Die Aussicht auf schönes Wetter und die Freude auf ein Wiedersehen mit Forscherfreunden aus dem gesamten Bundesgebiet haben mir die drei Stunden Anfahrt versüßt. Da ich das Gothaer Land als meine genealogische Heimat betrachte, war es wieder wie nach Hause fahren.

Gänzlich nur für die Tagung anzureisen, wäre für einen Hobby-Fotografen natürlich vertane Zeit. Die Kamera war also auch dabei und wurde bei jeder sich bietenden Möglichkeit zum Einsatz gebracht. Kurze Pausen und kleinere Umwege boten ausreichend Motive.

Ganz ungewohnt noch vor dem Sonnenaufgang bin ich aufgestanden. Ein herrlicher Morgenhimmel und eine Tasse Kaffee waren die Belohnung.

Sonnenaufgang in Giesen
Morgenhimmel über Giesen

Morgens auf dem Eichsfeld

Die Tour nach Gotha führt ein großes Stück weit über die A7 Richtung Göttingen. Der westliche Ausläufer des Harzes bei Seesen lag noch in dichtem Nebel, in Höhe Kalefeld löste er sich langsam auf.

Das gab mir etwas Hoffnung, dass ich bei meinem ersten Ziel mit klarer Morgenluft rechnen könnte. Ich hatte mir vorgenommen, die Ruine Hanstein bei Bornhagen (die Lieblingsburg von uns Eichsfeldern) im Morgenlicht zu fotografieren.

morning dust over Hanstein Castle
Die Burgruine Hanstein und das Dorf Rimbach im Nebel. Zwei Minuten später war vom Hanstein gar nichts mehr zu sehen.
Blickrichtung Bornhagen / Gerbershausen

Mit dem Nebel hatte ich allerdings nicht gerechnet. Aber gerade eine nebelige Suppe findet sich selten auf den üblichen Schnappschüssen oder Hochglanz-Prospekt-Fotos.

Die Tour führte weiter im Leinetal Richtung Heilbad Heiligenstadt, dann das Luttertal hinauf. Zu Hause bei meinen „Muskricken“ in Lutter hob sich der Nebel bereits.

Lutter / Eichsfeld
St. Mauritius / Lutter

Nun vorbei an Kalteneber und Flinsberg (und damit an einem geographischen Mittelpunkt Deutschlands) Richtung Wachstedt. Auch hier immer noch dichter Nebel.

dusty morning
Nebel bei Wachstedt

Gotha – Hauptstadt der Genealogie

Dann ging es weiter ohne Pause auf der B 274 über Mühlhausen und Bad Langensalza nach Gotha. Ich wollte ja pünktlich ankommen und vielleicht noch ein paar Fotos machen. Und hier in Gotha zeigte sich das Wetter bereits von seiner besten Seite.

Gotha - Oberer Hauptmarkt
Oberer Hauptmarkt mit Rathaus

Es war noch ein wenig Zeit, dem „Opa von Europa“ einen Besuch abzustatten. Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg (gen. „der Fromme“) ließ das Schloss Friedenstein während seiner Regentschaft bauen, bis zu dessen Fertigstellung residierte er im heutigen Rathaus. Da er und seine Nachkommen nicht mit großem Reichtum gesegnet waren und durch Erbteilung das Herzogtum immer kleiner zu werden drohte, hat man „klug“ geheiratet. Bevorzugt in hochadelige Familien und Herrscherhäuser, die teilweise heute noch regieren. So ist Ernst der Fromme Vorfahr der meisten heutigen Monarchen in Europa, einschließlich Queen Elizabeth II., deren Familie bis vor 100 Jahren noch „Sachsen-Coburg und Gotha“ hieß.

Gotha - Ernst der Fromme
Der „Opa von Europa“ ist Ahnherr zahlreicher heute noch regierender Monarchen.

Burgenland-Rallye

Glücklicherweise fand in und um Gotha zeitgleich die Burgenland-Rallye statt und so gab es eine Vielzahl überragend schöner Oldtimer zu sehen.

Mein Forscherfreund Knut Kreuch stand an seinem Rathaus Spalier und begrüßte in seiner Funktion als Oberbürgermeister die durchreisenden Rallye-Teilnehmer per Handschlag. Sprichwörtlich ein „Hans Dampf in allen Gassen“. Nach einem kurzen Schwätzchen mit Knut über die neuesten genealogischen Erkenntnisse musste ich dann aber auch schon wieder weiter. Mal sehen, was wir demnächst mal wieder gemeinsam erforschen…

Burgenland-Ralley 2017
Oberbürgermeister Knut Kreuch

Ein wenig traurig war ich schon, dass ich meine Fotosession wegen der Tagung abbrechen musste, ich hätte gern noch mehr davon fotografiert. Aber der eigentliche Grund meiner Reise war ja schließlich die Genealogie.

Genealogie – Familiengeschichtsforschung

Grund meiner Reise war die 5. Praxiswerkstatt der DAGV, dem Dachverband der deutschen Familienforscher. Hier durfte ich einen Vortrag über Online-OFBs halten. Ein Thema also, mit dem ich mich neben der Fotografie beschäftige. OFB ist die Abkürzung für Ortsfamilienbuch, also ein für genealogisches Nachschlagewerk, in dem üblicherweise die Familien eines Ortes ungefähr vom 30-jährigen Krieg bis zum 1. Weltkrieg zusammengestellt werden. Seit ein paar Jahren arbeite ich an fünf dieser OFB im Gothaer Land. Bis zur Erfindung des Internet waren das ausschließlich gedruckte Bücher, heute findet man vermehrt diese langwierigen Arbeiten auch in Form von elektronischen Datenbanken. Wir Ahnenforscher graben also nicht nur in alten, verstaubten Dokumenten! Und aus Platzgründen haben die wenigsten noch einen Stammbaum im Wohnzimmer hängen.

DAGV-Praxiswerkstatt OGB - Gotha
Gruppenfoto

Rund 35 Forscherfreunde, viele davon alte Bekannte aus nah und fern folgten der Einladung der DAGV nach Gotha, um über Ortsfamilienbücher zu diskutieren. Ergebnisse der Diskussion wird man an anderer Stelle lesen können.

Und nochmal aufs Eichsfeld

Leider geht auch ein schöner Tag einmal zu Ende und man muss die Heimreise antreten. Zurück über Bad Langensalza (diesmal wegen einer Umleitung sogar durch die Stadt) und Mühlhausen. Nun fährt der Eichsfelder immer mit größter Freude an der Lengefelder Warte vorbei, weil er dann endlich wieder auf Eichsfelder Boden ist.

Lengefelder Warte

Tatsächlich war die Lengefelder Warte Teil des äußeren Befestigungsrings der Reichsstadt Mühlhausen. Zu diesem Befestigungsring gehörte auch der Landgraben, über den man als Eichsfelder früher nicht heiratete. Schließlich war man dort ja nicht katholisch.

Lengefelder Warte
Lengefelder Warte

Die B 247 führt kurz darauf durch eine Senke, landläufig als „Schwarze Hose“ bekannt. Da durch zufahren ist schon immer ein erhebendes Gefühl gewesen. Der weitere Weg führte über Dingelstädt wieder hinauf auf das Höheneichsfeld. Hier oben auf gut 500m über NN zeigt sich, warum der Eichsfelder „auf“ und nicht „im“ Eichsfeld wohnt. Und er kommt auch nicht aus dem sondern vom Eichsfeld.

Blick zum Hohen Meißner
Blick zum Hohen Meißner

Fürstenhagen

Noch ein letztes fotografisches Ziel auf dieser Reise hatte ich mir vorgenommen: den alten Bahnhof in Fürstenhagen. Früher war er Teil der „Kanonenbahn“, heute wird er als Naturparkzentrum des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal genutzt.

 

Bahnhof Fürstenhagen
Naturparkzentrum Eichsfeld-Hainich-Werratal

Das kleine Dorf Fürstenhagen ist ein Ortsteil von Lutter und liegt auf einem Hochplateau. Es ist erst im 19. Jahrhundert durch Ansiedlung von Landbesitzern entstanden, die vorrangig aus Lutter stammten.

Fürstenhagen / Eichsfeld
Fürstenhagen

 

Kalteneber Panorama
Blick auf Kalteneber

 

Blogger, Genealoge und Hobby-Fotograf

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